Dicke werden möglicherweise diskriminiert
Das erkennt jetzt sogar der Spiegel in seiner Karriere-Rubrik. Besonders dicke Frauen würden von Personalern diskriminiert.

Was sonst ist neu?

Sie können natürlich nur 'adipös' oder 'stark übergewichtig' zu den Dicken sagen, weil dicke Körper ja immer medizinisch gedeutet werden müssen und man nicht 'dick' sagen darf, und die Diskriminierung ist laut Spiegel vor allen Dingen deshalb schlecht, weil sie die Dicken zum Frustessen verführt und vom Sport zu Abnehmzwecken abhält (!!!!!) weil es natürlich immer noch außer Zweifel steht, dass alle Dicken unbedingt abnehmen a) müssen und b) können; und ich habe keinen Zweifel, jede Menge Leute denkt jetzt, wieso nehmen die nicht ab, sie sind ja selber schuld, wenn sie nicht eingestellt werden -- immer das selbe, egal, was die Studien tatsächlich aussagen. Ich rege mich ja schon gar nicht mehr auf.

Wirklich interessant ist aber folgendes: die befragten Personaler trauen dicken Frauen achmal weniger Kompetenz und Leistung zu, als sie in wirklichen Arbeitsleben haben. Das zeigt, dass das Medien-Dauerbombardement und das othering wirklich funktionieren.

Leider weiß ich im Moment nicht, wie ich gegen die dauernden Breitseiten auf einem einigermaßen massenkompatiblen Kanal zurückstinken kann...

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sphingula04, Samstag, 25. August 2012, 17:17
...ich habe gerade einen Zeitungsartikel aus 2010 gefunden, wonach dicke Mitarbeiter statistisch gesehen mehr Fehltage haben als normalgewichtige Mitarbeiter - was, wenn es stimmen würde, in gewisser Weise die Vorbehalte von Personalverantwortlichen erklären könnte.

https://www.menshealth.de/food/diaet-abnehmen/dicke-und-raucher-haeufiger-krank.169799.htm

Wobei ich nicht weiß, ob das Vorurteil "Dicke sind oft krank und nicht belastbar" stimmt. Ich habe mich letztens mit dem Vorurteil "Mütter fehlen dauernd bei der Arbeit" beschäftigt - und letztlich belastbare Zahlen gefunden, wonach es tatsächlich kein Vorurteil ist, sondern sich statistisch belegen lässt. Gefühlt würde ich dem nicht zustimmen - und für die meisten Mütter, die ich kenne, trifft es auch absolut nicht zu. Andererseits gibt es auch Mütter, die finden, sie stehen gut da, wenn sie erst nach 8 Monaten ihre 20 Kinderkrank-Tage vom Jahr aufgebraucht haben. Die reißen dann jede Statistik runter und ruinieren den Ruf der arbeitenden Mütter an und für sich...

Wir hatten übrigens auch eine wirklich dicke Kollegin. Sie brauchte einen Spezialstuhl (teure Sonderanfertigung), weil sie in die normalen Bürostühle nicht passte, und um einen Stapel Akten von A nach B zu verräumen, brauchte sie wirklich wesentlich länger als andere Kollegen, weil sie a) nicht so viele Akten auf einmal tragen konnte und deswegen öfter gehen musste, und sie b) nach einem Weg schon komplett erschossen war und Pause machen musste. Klar, es gibt auch Dünne, die unfit sind, und Dicke, die anpacken können...

xarminta, Samstag, 25. August 2012, 17:32
Einzelfälle sind in sofern problematisch, als das wir die mit einem Filter aus Erwartungen ansehen. Dünn + unfit = fällt nicht auf. Dick + fit = fällt nicht auf. Dick + unfit = OMG alle Dicken sind unfit, was man uns ja schon immer gesagt hat! Ich meine jetzt nicht, dass DU so denken würdest, sondern das ist, wie so eine durch eine Kombination vorgegebener Erwartungshaltungen gefilterte Wahrnehmung funktioniert.

sphingula04, Samstag, 25. August 2012, 22:29
...ich bin mir nicht sicher, ob "dick + unfit" auffällt, oder *sorry* ob - ab einer gewissen Dicke - nicht eher "dick+fit" auffällt, eben weil das der gängigen Erwartungshaltung NICHT entspricht.

Und, noch mehr sorry, aber ich bin mir nicht sicher, inwieweit ich Dich unter "dick+fit" subsumieren würde - zumindest, wenn ich als Arbeitgeber in einem fünf- oder sechsstöckigen Gebäude mit ohne gescheiten Aufzug sitze und es zum Job gehört, -zig Mal am Tag da rauf und runter zu rennen. :-/

xarminta, Samstag, 25. August 2012, 22:51
Da hätte aber ne Menge Leute mit Schwierigkeiten. Fünf oder sechs Treppen rauf- und runterzulaufen, ist eigentlich in normalen Bürogebäuden nicht mehr üblich.

Meistenteils ist das Treppenlaufen sowieso eine Frage des Trainings. Ich merke so langsam, wie ich mich an die Treppe zur S-Bahn bei der Muckibude (Äquivalent von 2 1/2 bis 3 Stockwerken, je nach Geschosshöhe, und STEIL) gewöhne.

Als Akten-Treppen-rauf-und-runter-Trägerin würde ich mich allerdings nicht bewerben.